„Das Publikum spürt die Seele des Parkfestes und fühlt sich verbunden“

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Interview mit Ute Winkelmann und Gerd Mikol

40 Jahre Waltroper Parkfest. Wir nutzen das Jubiläum für einen Blick zurück und einen Blick in die Zukunft. Im Rahmen dieses Specials kommen Organisatoren, Unterstützer und Weggefährten zu Wort, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das Fest zu dem geworden ist, was es heute ist: Zu einer der beliebtesten und bekanntesten Großveranstaltungen im nordöstlichen Ruhrgebiet und darüber hinaus.

Ute Winkelmann und Gerd Mikol
Ute Winkelmann und Gerd Mikol

Zur Erfolgsformel des Parkfestes zählt neben der Live-Musik, den Märkten, bildender Kunst und kulinarischer Highlights ein überregional unvergleichliches Kleinkunstprogramm auf der Bühne des Sonswastheaters und drum herum. Dort gibt es an allen Parkfesttagen mittags und nachmittags ein vielseitiges Kinderprogramm und in den Abendstunden Musik, Comedy und Varieté. Das Parkfest verdankt "Sonswas" seine große Anziehungskraft für Kinder und Familien. Und dank "Sonswas" sind Künstler wie Mundstuhl, Herbert Knebel, Ingo Oschmann, Alf Poier oder Jochen Malmsheimer schon kurz vor ihrem großen Durchbruch im Moselbachtal aufgetreten.

Das Sonswastheater sind Ute „Epi“ Winkelmann und Gerd Mikol. Seit mehr als 30 Jahren sind sie als freischaffende Künstler in verschiedenen Bereichen tätig, arbeiten als Schauspieler, Puppenspieler, Workshop-Leiter, Dozenten und zertifizierte Event-Manager.

Ute Winkelmann ist neben der Theaterarbeit Chorleiterin zweier Frauenchöre, singt und managt in einer sehr erfolgreichen Frauen-A-Cappella Gruppe ( www.female-affairs-online.de). Sie organisiert Kleinkunst- und Kinderprogramme bei Festivals, unter anderem die Meller Puppenspielreihe.

Gerd Mikol entwickelt und leitet seit fast vier Dekaden künstlerische Projekte. Dabei ist er Schauspieler, Techniker, Navigator und Organisator in Personalunion. Seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Bühnentechnik, Bühnenpräsenz und Veranstaltungsmanagement teilt er als Berater, Referent und Coach mit freischaffenden Künstlern und Künstlergruppen.

Beide sind langjährige Freunde und Weggefährten des Waltroper Parkfestes. Gemeinsam haben sie 1982 das Sonswastheater aus der Taufe gehoben - und gemeinsam machen sie seit 1988 auf ihrer Sonswasbühne jedes Jahr beim Parkfest Programm. Dank ihnen gibt es drei Tage lang Akrobatik, Clownerie, Puppentheater und interaktives Theater im Park.

Kurz vorm 40. Geburtstag des Festes haben wir mit Beiden gesprochen – über das Fest selbst, seine Vergangenheit und seine Zukunft.

Wenn das Parkfest in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, bringt ihr zum 28. Mal eure eigene Bühne mit nach Waltrop. Wie kamt ihr zum Parkfest und wie lief das mit der Premiere der Sonswasbühne 1988?

Ute Winkelmann: Das Kulturbüro hatte uns mit unserer Bühne für das Kinderprogramm engagiert, weil sie irgendwo von uns gehört hatten. Die Bühne war damals noch viel kleiner. Wir haben jeden Tag mehrfach gespielt. Niemand konnte ahnen, dass eine so lange Zusammenarbeit entstehen würde. Wir fanden es gleich klasse in Waltrop, weil wir nämlich ursprünglich selbst aus dem Ruhrgebiet stammen (Bochum, d. Red.) und die Mentalität der Menschen uns einfach liegt.

Gerd Mikol: Wir wurden als Clown-Theater, mit Puppentheater und mit unserer damals für diese Darbietungen ausreichenden Ausrüstung eingeladen. Geschlafen haben wir auf unserer kleinen Bühne.

Ihr habt den Werdegang des Festes vom überschaubaren Stadtfest zum überregional erfolgreichen Kulturfestival hautnah miterlebt. Was hat sich seit damals verändert im Park und was waren für euch Meilensteine auf dem Weg zu der Großveranstaltung, die das Fest heute ist?

Gerd Mikol: Ich habe das Parkfest als konsequente Entwicklung mit Schwerpunkt auf gutes Kulturprogramm erlebt. Schritt für Schritt mit zukunftsweisenden Entscheidungen.

Ute Winkelmann: Mutige Entscheidungen. Nicht immer nur am Mainstream orientiert.

Was ist am Parkfest über die Jahre besser geworden? Und gibt es auch etwas, das sich geändert hat und auf das ihr wehmütig zurückblickt? So nach dem Motto „Früher war alles besser“?

Gerd Mikol: Das Parkfest ist in allen Bereichen professioneller geworden. Das erleichtert die Arbeit vor Ort. Es stehen uns neben unserem eigenen Equipment alle Ressourcen zur Verfügung, die zum Gelingen beitragen. Wehmut könnte trotzdem aufkommen, wenn ich an die vielen improvisierten Dinge denke, die vor fast 30 Jahren normal waren. Künstler wurden nicht nach dem Gig zum Bahnhof gebracht, da sie noch eine „Gala“ hatten oder wir mussten uns auch nicht um Rechte an Bild und Ton kümmern, da die Kollegen froh waren fotografiert zu werden. Heutzutage müssen Veranstaltungen dieser Art aus finanziellen Blickwinkeln, unter enormen Sicherheitsauflagen und in starker Konkurrenz geplant werden. Da hat sich viel verändert. Sicher war die Zeit am Anfang ein wenig unaufgeregter – aber wir wachsen ja mit und können auch heute professionell und trotzdem entspannt arbeiten.

Ihr habt einen hohen Anteil am Erfolg der Veranstaltung, weil ihr schon damals ein Händchen dafür hattet, besonders talentierte Künstler und Kleinkünstler wie N8chtschicht, Badesalz, Herbert Knebel oder Alf Poier in den Park zu holen, kurz bevor sie den großen Durchbruch schafften. Wie macht ihr das? Wie entsteht Jahr für Jahr das Kleinkunstprogramm für das Waltroper Parkfest? Wie war es damals und wie ist es heute?

Ute Winkelmann: Auch bei den Wise Guys, Markus Maria Profitlich, Ingo Oschmann war das so. Wir sehen und hören einfach viel, spielen selbst auf Festivals, auf denen wir tolle neue Kollegen kennenlernen. Dazu besuchen wir die amtlichen Kulturbörsen Freiburg, Paderborn und Eindhoven.

Gerd Mikol: Ja, weil wir selbst ja auch als Künstler unterwegs sind, begegnen wir vielen Kollegen und sehen deren Entwicklung. Oft haben wir Kollegen nach Waltrop eingeladen, bei denen wir wussten, dass ein großer Karrieresprung bevorsteht. Es macht uns ein wenig stolz, dass wir Gruppen wie Wise Guys, Maybebop oder Harmony Central zum richtigen Zeitpunkt eingeladen hatte. Wir beobachten nun gerne, wie z.B. Gogol und Mäx sich international auf den Kleinkunstfestivals dieser Welt bewegen. Obwohl durch das Netz und die Medien der Bekanntheitsgrad guter Künstler wesentlich schneller wächst, sind wir oft noch ein wenig aktueller und konnten Künstler wie Sascha Korf, Torsten Sträter und Ingo Börchers verpflichten, als Gagenforderungen und Terminplanung das noch zuließen.

Ute Winkelmann und Gerd Mikol
Ute Winkelmann und Gerd Mikol

Ihr bucht und koordiniert sowohl die Shows auf der Sonswasbühne, als auch die Auftritte auf der Kleinkunst-Freifläche und die sämtlicher Walkacts. Somit habt ihr einiges erlebt im Park. Was waren für euch ganz besondere Programmhighlights?

Ute Winkelmann: Bei den Walkacts mag ich besonders die kleinen, feinen. Jaap Slagman z.B., der vor einigen Jahren als lebendes Bild im Park war. Als Zuschauer hast Du am Anfang nicht erkannt, dass es lebendig ist und es gab sehr viele witzige und berührende Momente. Auf der Bühne waren meine persönlichen Highlights u.a. Sascha Korf, Les Founambules, Clap und Buchfink, Harmony Central, Maybebop, die Prime Time Shows sowieso, Alfons natürlich. Also, ich könnte jetzt noch ziemlich lange so weiter machen.

Gerd Mikol: Wir sehen an der Reaktion des Publikums, dass wir mit den Künstlern meist richtig liegen. Meine Favoriten waren die Trampolin Comedy Show Cirq´ulation Locale, Capitan Maravilla aus Spanien mit Ihrer Minicooper Show - aber auch die Ganzenkapelle aus Holland. Ein besonderer Künstler ist für mich Nakupelle und auch Dado liegt genau auf der Welle meines Humors.

Ihr habt in den letzten Dekaden unzählige Künstler im Park betreut. Wie läuft das ab und was für Rückmeldungen erhaltet ihr? Was sagen die Künstler über das Parkfest?

Gerd Mikol: Die Rückmeldungen der Künstler sind sehr positiv. Das kriegen wir auch mit, wenn die entsprechenden Agenturen in den Folgejahren ihre anderen Künstler aufs Parkfest bringen wollen.
Backstage ist es wunderbar! Alle Künstler fühlen sich gut betreut und das Umfeld hinter der Bühne ist über die Jahre zu einem sehr gut ausgestatteten Bereich geworden. Hier können wir uns voll auf die Parkfest-Organisatoren verlassen. Wir sitzen Backstage lange und wortreich mit den Kollegen zusammen, essen, lachen und die Künstler gehen mit gutem Gefühl auf die Bühne. Das Publikum wird immer gelobt und es gibt wohl keinen Kollegen, der nicht noch einmal wiederkommen würde.

Ute Winkelmann: Die Künstler erleben das Parkfest immer erst aus dem Backstage-Bereich. Dort kommen sie an, kriegen ihre Garderobe zugewiesen und wir besprechen beim Kaffee die notwendige Technik. Dann gehen sie immer mal vorne raus und entdecken den Park. Alle sind begeistert. Vom Fest, von der Backstage-Atmosphäre, von der Bühne, vom Publikum, von der Organisation.

Manchmal sieht man euch zu später Stunde auch an einer der beiden Musikbühnen. Was war euer persönliches Top-Parkfest-Konzert?

Ute Winkelmann: Leider bekommen wir nicht sehr viel mit von den Künstlern auf den anderen Bühnen. Wir wissen zwar, wer kommt und denken oft, au ja, da schau ich mal, aber meistens klappt das nicht. Ich war auf jeden Fall z. B. kurz bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung und bei Marla Glen. Fand ich beides super.

Gerd Mikol: Zu später Stunde können wir zu den anderen Bühnen und den dortigen von uns liebgewonnenen Machern streifen. Wenn das Programm auf der Sonswasbühne beendet ist, halten wir uns gerne da noch auf. Es wird natürlich gefachsimpelt und rekapituliert, aber auch schon Ideen fürs nächste Mal ausgetauscht. Von den Programmen auf den anderen Bühnen bekomme ich aber trotzdem nur wenig mit.

40 Jahre hat das Fest geschafft. Es ist ziemlich gewachsen und dann trotz einiger Regenjahre nicht wieder geschrumpft. Was, meint ihr, ist das Erfolgsrezept dahinter?

Gerd Mikol: Das Parkfest wird durch die Waltroper Vereine und Institutionen getragen. Das Publikum spürt die Seele des Parkfestes und fühlt sich verbunden.

Ute Winkelmann: Übers Jahr spielen wir auf vielen Festivals, Kultur- und Stadtfesten. Überall wird gut vorbereitet und alle wollen was Besonderes bieten. Nirgendwo aber haben wir so viel persönliches Engagement, so viel Leidenschaft und Einsatzbereitschaft gefunden wie hier bei den Verantwortlichen des Parkfestes. Wir treffen uns mehrmals im Jahr, besprechen, phantasieren, brainstormen. Für die Waltroper scheint mir das Fest ein großes Ereignis zu sein. Wenn wir am Donnerstag vor dem Fest durch die Fußgängerzone gehen und in den Geschäften noch was einkaufen, gibt es quasi nur ein Thema: Parkfest. Manchmal gibt es noch ein Thema: Wetter.

Ein glatter Geburtstag ist immer auch eine gute Gelegenheit für eine Standortbestimmung. Was kann und sollte denn noch besser werden beim Parkfest? Was würdet ihr euch für die Zukunft des Festes wünschen?

Ute Winkelmann: Regenfreie Tage (lacht). Kann ich gar nicht konkret benennen. Im Fluss bleiben.

Gerd Mikol: In jedem Jahr gibt es sinnvolle Veränderungen, die auf Beobachtungen, Anregungen und Vorschriften basieren. Das ist gut so. Mein Wunsch wäre, dass auch weiterhin nicht Gewinnstreben und kommerzielle Aspekte die Entwicklung des Parkfestes bestimmen. Wir haben schon bei einigen Festen gesehen, dass diese aus genau diesen Gründen Ihre Seele verloren haben.

Ihr seid schon länger dabei, als fast alle aktuellen Parkfestteam-Mitglieder. Für einige in der Orga Crew gilt anscheinend „Parkfest 'til I die!“ – Ist das bei euch auch so oder gibt es Momente, in denen ihr amtsmüde werdet?

Gerd Mikol: Für uns ist das Parkfest ein fixer Termin im Jahr. Die Arbeit macht Spaß, denn wir haben über die Jahre ein fähiges Team aufgebaut, das unsere Arbeit unterstützt. Als Künstler denken wir im Moment noch nicht an Rente. Wir können und wollen auf Aufgaben dieser Art nicht verzichten.

Ute Winkelmann: Wir bleiben dabei, natürlich!

Zuletzt zurück zum Tagesgeschäft… bzw. Jahresgeschäft. Welche Sonswas-Shows dürfen die Leute 2015 auf keinen Fall verpassen und welches Konzert auf den Musikbühnen wollt ihr unbedingt sehen, falls die Zeit es zulässt?

Ute Winkelmann: Bei uns unbedingt Starbugs! Freitag um 20:45 Uhr. Da arbeiten wir seit Jahren dran und nun sind sie endlich da. Eine Hammershow. Vorher Thomas Nicolai – auch ein Superkünstler, Habbe & Meik am Sonntag, Prime Time am Samstag, die Kinderprogramme sind auch alle wunderbar. Eigentlich kann man auch drei Tage bei uns sitzen bleiben und wird abwechslungsreich unterhalten. Wenn es irgendwie klappen kann, würde ich gerne am Sonntag um 13:00 Uhr bei Crystal Pasture an der on the rock Bühne tanzen. Samstagabend bei H-Blockx wird es nicht gehen, da läuft ja bei uns die Prime Time Show. Und Sonntag Joris auf der Open Air Bühne. Den mag ich, „Herz über Kopf“ ist so ein tolles Stück.

Gerd Mikol: Die Familienprogramme in den Nachmittagsstunden. Hier darf man nicht vergessen, dass es sich um gute, kindgerechte Programme handelt, die wir genauso sorgfältig ausgesucht haben wie die Abendprogramme. Wer die Abendshows und die Prime Time Show verpasst, ist selber schuld.

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